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Musikverein feier 150-jähriges Bestehen

Gütersloh, 24. April 2007

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KULTURTAGE / JOHANNA AUF DEM SCHEITERHAUFEN

 

Die Richter heulen mit den Wölfen

 

In die Symbolwelten des Oratoriums Johanna auf dem Scheiterhaufen von Arthur Honegger entführte am Donnerstag (18.10.) im Großen Haus die Nordwestdeutsche Philharmonie unter Karl-Heinz Bloemeke (von Heidemarie Klabacher, Quelle: Klabacher/DrehPunktKultur http://www.drehpunktkultur.at)

 

19/10/07 Der Höllenhund heult! Selten nur erklingt im Konzert die Ondes Martenot, eines der ältesten elektronischen Instrumente: Besonders beunruhigend und effektvoll ist daher ihr heulendes Glissando. "Hic, hic, hic" stichelt der Chor, während der Bass-Solist in feierlichem Latein die Gefangene verurteilt, bevor das Gericht überhaupt zusammentritt. Die "Wahrheitsfindung" spießt sich nämlich: Der Tiger weigert sich, den Vorsitz zu übernehmen, der Fuchs entschuldigt sich mit Krankheit und die Schlange "pfeift sich eins, in ihrem Loch". Endlich drängt das Schwein sich vor "zu richten Jeanne d´Arc".

Paul Claudel, der Librettist von Arthur Honeggers dramatischem Oratorium "Johanna auf dem Scheiterhaufen", spielt mit vielfältigen Symbolen, Anspielungen, aber auch mit Bibel- und Volkslied-Zitaten. Das Schwein etwa nennt sich "Herr Cochon": ein direkter Hinweis auf den Bischof von Beauvais, Pierre Cauchon, der einst den Vorsitz im historischen Prozess gegen Johanna führte. Eine Polit-Satire also, wie auch das Kartenspiel der Könige (namens Torheit, Hochmut, Geiz und Tod), bei dem die Gefangene verschachert wird: zu seltsam verfremdeter Barockmusik. Das präparierte Klavier klingt wie eine boshafte Persiflage auf das "höfische" Cembalo.

Johanna hat also zugunsten der Franzosen in den 100jährigen Krieg zwischen Frankreich und England eingegriffen, Orleans befreit und die Krönung des Königs in Reims ermöglicht. Zwei Jahre später wird sie der Zauberei und Hexerei angeklagt und zum Feuertod verurteilt. Genau hier setzt Arthur Honeggers dramatisches Oratorium ein: Jeanne steht angekettet am Pfahl, ein vom Himmel gesandter Dominikaner-Mönch liest ihr aus dem Buch ihres Lebens vor - das nun in Rückblenden in insgesamt elf stark verfremdeten Szenen aufgerollt wird. Diese beiden Hauptrollen sind Sprechrollen: Christina Weiser überzeugte im Großen Festspielhaus als zurückhaltende und doch überaus charismatische Jeanne d'Arc, Wolf-Dieter Kabler als visionärer Bruder Dominik.

Hervorragend, wie die Nordwestdeutsche Philharmonie unter der Leitung von Karl-Heinz Bloemeke auf die vielfältigen Herausforderungen der oft taktweise wechselnden Stimmungen und Klangfarben reagierte. Das Klangspektrum reicht tatsächlich von scheppernder Jahrmarktsmusik über archaisch-schlichte Volksweisen bis hin zum Gregorianischen Choral. Wie oft bei Honegger stehen auch hier die Bläser im Zentrum, die in großer Besetzung - von Piccolo-Flöte und Piccolo-Klarinette bis hinunter zu Kontra-Fagott und Bass-Posaune - einen anregend-schillernden Klangteppich für die Sprech- und Gesangsrollen aber auch für die bestens präparierten Chöre ausrollten.

Zum bestens einstudierten wortdeutlich singenden Städtischen Musikverein Gütersloh gesellten sie die Salzburger Chorknaben und Chormädchen. Das verhetzte Volk beim Prozess war ebenso überzeugend gestaltet, wie die Gesänge der himmlischen Chöre, denen die Kinderstimmen Glanzlichter aufsetzten.

Eine spannende Begegnung mit einem raren Werk - in einer mustergültigen Interpretation: ein besonderer Abend dieser Kulturtage.



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Oktober 2007