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Neue Westfälische Nov. 2002

Festlicher Glanz - Städtischer Musikverein sang Händels »Messias« in der Stadthalle

 

Von Constanze Natosevic

 

Gütersloh. Jener berühmte Halleluja-Chor aus Händels Oratorium »Der Messias« ist beinahe zum Synonym für das ganze abendfüllende Werk geworden. Kein Zweifel, dieser Chorsatz entfesselt einen mitreißenden Sog, dem sich niemand entziehen kann, doch das dreiteilige Oratorium bietet natürlich viel mehr als diesen Satz.

 

Diese schier unendliche Palette musikalischer Ausdruckskraft aufzuzeigen, gelang dem Städtischen Musikverein Gütersloh mit seinem Konzert am Sonntag in der Stadthalle. Nach einer kurzen, energischen Sinfonia leitet ein Tenor-Rezitativ, zart begleitet von den Streichern, in das dramatische Geschehen ein, das weniger einen konkreten Handlungsablauf darstellt, als vielmehr Geburt, Tod und Auferstehung Jesu als wesentliche Pole thematisch umkreist.

Stimmig besetzt waren die Soloparts. Der Bass Lars Woldt war ein besonderes Erlebnis. Mit dramatischer Geste wusste er seine Parts stimmlich zu inszenieren, und mit Flexibilität und Volumen seiner außergewöhnlichen Stimme überzeugte Lars Woldt auf Anhieb. Leonore von Falkenhausen begeisterte mit kristallklarem, leichtem Sopran, dem es dennoch nicht an nötiger Wärme fehlte. Mit fein timbrierter Stimme sang Bettina Pieck die Alt-Partien, weich intonierte Martin Krumbiegel die Tenorsolie. Anrührend gelang das Duett von Sopran und Alt am Ende des ersten Teil in Form einer Pastorale. Das Bild von Hirt und Herde wurde hier musikalisch versinnbildlicht. Das Kammerorchester der Nordwestdeutschen Philharmonie spielte den vielschichtigen, häufig virtuosen Instrumentalpart mit bestechender Transparenz und Leichtigkeit. Christoph Grohmann und Knud Jansen rundeten an Cembalo und Orgel den Orchestersatz ab. Souverän dirigierte Karl-Heinz Bloemeke Chor und Orchester. Beinahe gewagt frisch nahm er manche Tempi, die aber nach erster Überraschung vollkommen überzeugten und für festlichen Glanz der Musik sorgten. Allzu viel Sentimentalität und Pathos wurden so geschickt vermieden.

Der Chor des Städtischen Musikvereins zeigte sich stimmlich beweglich und präzise in Einsätzen und Intonation, dynamisch differenziert gestaltungsfähig und musikalisch ausdrucksvoll. Am Ende stand lang anhaltender Beifall und eine Zugabe, die mit Begeisterung aufgenommen wurde: natürlich?der Halleluja-Chor



Fotos: NATOSEVIC

Stimmig besetzt: Dirigent Karl-Heinz Bloemeke mit den vier Gesangsolisten, dem Chor des Städt. Musikvereins und dem Kammerorchester der Nordwestdeutschen Philharmonie.



Die Glocke Nov. 2002

Städtischer Musikverein - Unüberbietbares Bekenntnis zum Glauben

 

Gütersloh (mbe). Händels Oratorium "Messias" gilt als "unüberbietbarer Höhepunkt" seines Genres. In dem 1741 vertonten Werk bündelt sich die ganze schöpferische Kraft des Meisters. Mit der jüngsten Aufführung durch den Städtischen Musikverein Gütersloh unter der Leitung von Karl Heinz Bloemeke wurde das von großartiger Eingebung zeugende Oratorium zu einem Hörerlebnis von singulärem Rang.

 

Der Chor stellte seine Ausnahmestellung, die ihn durchaus in die Riege der Profichöre rückt, erneut unter Beweis. Bis ins Detail vorbereitet, fesselten die 100 Sängerinnen und Sänger mit prächtiger Klangsymbolik, Ausgewogenheit der einzelnen Stimmgruppen und beeindruckender Präsenz in jeder Phase. Mal auftrumpfend, mal rhythmisch durchpulst um Fortissimo, mal trotzig barock und dann wieder temporeich. Das Kammerorchester der Nordwestdeutschen Philharmonie erwies sich dabei als einfühlsamer und brillant musizierender Partner.

Namhafte Sänger und Sängerinnen, die über reichlich Erfahrung barocker Aufführungspraxis verfügen, hatten die Solopartien übernommen: Leonore von Falkenhausen, Sopran, Bettina Pieck, Alt, Martin Krumbiegel, Tenor, und Lars Woldt, Bass.

Mit dem Rezitativ des Tenors "Tröste dich" beginnt nach der reich instrumentierten Ouvertüre der erste Teil. Martin Krumbiegel sang mit ausnehmend klarer Artikulation von der Verheißung des Messias. Dramatisch, von drohender Majestät geprägt erschien das Bassrezitativ Jehovas. Lars Woldt, der mit erlesener Stimmkultur noch im Pianissimo die Spannungsbögen aufbaute, bestach in der von der Hoffnung auf " ein großes Licht" zeugende Arie "das Volk".

Eine liebliche Pastoral-Symphonie, gespielt mit schönster Tonfärbung, verbreitete die Freudenbotschaft von der Geburt des Messias, die der Sopran mit einem großen Rezitativ ausdeutete. Leonore von Falkenhausen bestach mit eleganter, auch in den Höhen traumwandlerisch sicheren Stimme, die in "Frohlock, du Tochter Zion" ihre liebliche Respons von der ersten Geige erfuhr. Im Dialog mit der warm timbrierten Altsstimme Bettina Piecks vollendete sie die idyllische Stimmung des ersten Teils.

Dirigent Karl Heinz Bloemeke hielt die musikalischen Fäden wie immer souverän in der Hand. Nach dem sensiblen ersten und dem der Leidensgeschichte Jesu gewidmeten zweiten Teil ließ er die Schlusssequenz mit dem messianischen Bekenntnis in einer jubelnden Chorfuge voll lyrischer Ekstase gipfeln. Reicher, anhaltender Applaus feierte alle Mitwirkenden.



Westfalen-Blatt Nov. 2002

Städtischer Musikverein: Viel Beifall für die Aufführung des Oratoriums »Der Messias«

 

Händels schönstes Glaubensbekenntnis

 

Gütersloh (WB). Ein großer Konzertabend am Totensonntag in der ausverkauften Stadthalle: Der Städtische Musikverein führte unter der souveränen Leitung von Karl-Heinz Bloemeke nach zwölf Jahren wieder Georg Friedrich Händels schönstes Glaubensbekenntnis, das Oratorium »Der Messias« auf, und unterstrich damit erneut seinen hohen Leistungsstand. Überaus erfreulich, dass das Wunderwerk des weltoffenen Genies Händel nach zahlreichen Bearbeitungen musikalisch hörbar gestrafft war: Bloemeke hatte in seiner Konzeption auf jedes verstaubte Beiwerk verzichtet und dem Ganzen dadurch mehr Schwung gegeben. Die Zuhörer wussten das zu würdigen.

 

 

Der »Messias« ist wie alle Oratorien Händels in drei Teile gegliedert: Am Anfang steht die Geburt Christi mit den Chören »Es ist uns ein Kind geboren« und »Ehre sei Gott in der Höhe«. Der zweite Teil schildert das Leiden und die Auferstehung Christi mit dem machtvoll-populären »Halleluja«  ein überwältigender Höhepunkt. Der dritte, kürzere Abschnitt schließlich bringt den Lobpreis Gottes und feiert die Befreiung der Sterblichen mit dem demütig-dankbaren »Ich weiß, dass mein Erlöser lebt« und »Wenn Gott ist für uns« jubelhaft mit Chören und Solisten zum mehrfach wiederholten »Amen«, wobei die groß angelegte Schlussfuge mit Pauken als Verklärung zur Krönung dieses Bekenntnisses wird.

Der Beobachter bildete in diesem dramatischen Geschehen den absoluten Schwerpunkt. Er war hervorragend eingestellt, überzeugte sowohl stimmlich und musikalisch durch Vielfalt und Ausgewogenheit in allen Bereichen, klare Ausdrucksweise und akzentuierte Aussprache. Sein Einsatz schuf die Grundlage für die gleichfalls begeistert mitgehenden Solisten. Auch bei ihrer Auswahl hatte Karl-Heinz Bloemeke eine glückliche Hand; wir hörten ein Quartett junger Künstler mit frischen unverbrauchten Stimmen. Da war die Sopranistin Leonore von Falkenhausen - erstmals in Gütersloh-  mit viel Wohllaut und klarer Koloratur. Die Altistin Bettina Pieck bewältigte an diesem Tag ein immenses Pensum: Sie war bereits am Vormittag Solistin im Konzert des Bachchores mit dem Schütz-Oratorium und glänzte auch am Abend in vielen Arien und insbesondere im Duett mit dem Sopran bei »Er weidet seine Herde«. Der junge Herforder Lars Woldt erfüllte seinen Bass mit volltönender Dominanz. Ein guter Bekannter war der Tenor Martin Krumbiegel, der im Rezitativ »Tröste dich, mein Volk« schon bei der Einleitung überzeugte. Vorzüglich die instrumentale Umrahmung durch das Kammerorchester der Nordwestdeutschen Philharmonie mit dem bewährten Konzertmeister Lajos Farkas, das die Aufführung jederzeit dezent begleitete. Christoph Grohmann am Cembalo und Knud Jansen (Orgel) vervollständigten den Kreis der Solisten.

Die Begeisterung der beeindruckten Zuhörer schlug sich in minutenlangem frenetischem Beifall nieder und erzwang die vielbejubelte Wiederholung des »Halleluja« als Huldigung an Gott.