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Auf hohem Niveau von Anfang an

 

Über 130 Jahre Städt. Musikverein Gütersloh

 

Zu den bedeutendsten und ältesten, auch weit über die Grenzen der Stadt Gütersloh hinaus wirkenden und anerkannt beachteten Kulturvereinigungen gehört der Städt. Musikverein, der, vor über 130 Jahren gegründet, fraglos zu jenen Chören gehört, dessen lebendige Gegenwart die langjährige Geschichte ruhmvoll überstrahlt.

 

Er entstand also in jener Zeit, die – als Biedermeier bezeichnet - wegen ihrer bescheidenen Behäbigkeit und gemütvollen Unbefangenheit oftmals belächelt wurde. Sie war geprägt von der Pflege schwärmerischer Freundschaften mit sonntäglichen Einladungen zum gemeinsamen Mahl und regelmäßigen Zusammenkünften mit literarischen und musikalischen Vorträgen. Aus diesen Begegnungen entstanden allerorten Laienspielgruppen und die ersten Gesangvereine, die Liedertafeln und Männerchöre. So auch um 1857 – eine Gründungsurkunde ist nicht vorhanden – in Gütersloh, wo der Chor entstand, der sich 1866 den Namen »Gütersloher Gesangverein« zulegte, und, nachdem er sich seit 1890 schlicht »Gütersloher Musikverein« nannte, 1936 nicht zuletzt wegen seiner auch damals schon anerkannten kulturellen Leistungen für die Stadt den Namen »Städtischer Musikverein Gütersloh« erhielt. Das Repertoire von Oratorienchören unterliegt einer gewissen Selbstbeschränkung und zeigt eine Vorliebe für Kompositionen der klassischen und romantischen Zeit.

 

Das erklärt sich nicht zuletzt aus der Mitgliederstruktur von Laienchören, die mangels ausgeprägter sängerischer Vorbildung einfach schwierige Partituren nicht erarbeiten können.

 

Der Chor des Städt. Musikvereins hingegen führte schon immer neben den bekannten und beim Publikum beliebten Standardwerken auch solche aus jüngerer Zeit auf, wie auch solche aus älterer, die selten zu hören sind. So erfolgte bereits 1889 und 1890 die Aufführung des Brahmsschen »Ein deutsches Requiem«, zu einer Zeit also, als der Schöpfer noch lebte und als Komponist nicht ganz unumstritten war.

 






Auch die bereits 4 Monate nach der Uraufführung erfolgte Darbietung der »Heiligen Elisabeth« von Josef Haas im Jahre 1932 bezeugt diese Aufgeschlossenheit. In jüngerer Zeit sind es Orffs »Carmina Burana« und Honeggers »König David« und »Jeanne d'Arc au bûcher« oder die halbszenische Aufführung von Glucks »Orpheus und Eurydike«, die auf allen Ebenen der Stadthalle dem Publikum ein »event« großstädtischer Prägung boten, die ebenso gravierende Eindrücke hinterließen wie Händels »Israel« und Spohrs »Letzte Dinge«. Immer wieder werden ein geschlossenes Klangbild, präzise Einsätze und Intonationssicherheit gelobt, Eindrücke, die auf eine hervorragende stimmtechnische Schulung und nicht zuletzt auf nimmermüden Probenfleiß zurückzuführen sind. Das ist Ergebnis des über 40jährigen Wirkens von Matthias Büchel, der nach dem 2. Weltkrieg eine Ära einleitete, die seit 1987 von Prof. Karl-Heinz Bloemeke erfolgreich fortgesetzt wird. Anspruchsvolle Strenge und disziplinierte Detailarbeit zeichnen die Einstudierung eines jeden Werkes aus, wobei die professionelle Motivationskraft des heutigen Dirigenten wie die seines langjährigen Vorgängers die Arbeit nicht ohne Freude und Spaß erfolgen lassen. Diese Mühen trugen schon immer Früchte. So konzertierte der Chor nicht nur in Gütersloh und Umgebung erfolgreich, sondern auch bei Einladungen in Bonn, Berlin und mehrfach in Salzburg.

 

Auch der WDR übertrug eine Aufführung des »Messias« aus der Gütersloher Martin-Luther-Kirche und strahlte 4 Jahre nacheinander – 1957 bis 1960 – jeweils zu Ostern die Matthäus-Passion in ungekürzter Fassung aus. 1964 wurde die Feierstunde zum Volkstrauertag im Bonner Bundeshaus vom Städtischen Musikverein mit Ausschnitten aus dem »Deutschen Requiem« von Johannes Brahms musikalisch gestaltet. 1965 erhielt der Chor eine Einladung aus Berlin, wo er im Hochschulsaal das »Te Deum« und die »f-moll-Messe« von Anton Bruckner aufführte.

 

Und nach den erfolgreichen Konzerten 1974 (Hector Berlioz' »Requiem«), 1977 (Honeggers »König David«), 1982 (Haydns »Schöpfung«), 1991 (Rossinis »Stabat mater«) und 1995 (Berlioz’ »Faust Verdammnis«) in Salzburg steht bereits die nächste Einladung für 2003 dorthin an.

 

Überall, ob im heimatlichen Gütersloh, im nachbarlichen Bielefeld, bei den sommerlichen Konzerten in der Abtei Corvey bei Höxter hat der Gütersloher Chor viele begeisterte Freunde gefunden. Der Schlüssel für den außergewöhnlichen Erfolg liegt nicht allein in der künstlerischen Führung und zielstrebigen sängerischen Förderung durch die Chorleiter der jüngeren Vergangenheit und Gegenwart, als vielmehr auch im nimmermüden Einsatz aller Sängerinnen und Sänger mit oftmaligem Verzicht auf bequemere Feierabendgestaltung. Das wurde 1957 mit der Verleihung der Zelterplakette durch den Bundespräsidenten belohnt, das wird letztendlich bei jedem Konzert mit Beifall durch Publikum und Presse anerkannt – das sind Auftrag und Verpflichtung für die Zukunft.